Die molekulare Architektur von Benzyl-4-brombutylether (C₁₁H₁₅BrO, MW 243,14) weist eine benzylgeschützte Alkylkette mit vier Kohlenstoffatomen auf, die durch ein primäres Alkylbromid terminiert ist. Das Molekül ist um einen flexiblen Butoxy-Abstandhalter herum aufgebaut, bei dem das Sauerstoffatom an einem Ende mit einer Benzylgruppe – einem Phenylring, der über eine Methylenbrücke (-CH₂-) verbunden ist – und am anderen Ende mit einer Kette aus vier Kohlenstoffatomen verbunden ist, die in einem Bromatom endet. Die Benzylethereinheit stellt eine robuste Schutzgruppe für die Alkoholfunktionalität dar, bietet Stabilität unter einer Reihe von Reaktionsbedingungen und bleibt gleichzeitig anfällig für eine selektive Spaltung durch Hydrogenolyse (H₂, Pd/C) oder Lewis-Säure-vermittelte Debenzylierung, wodurch bei Bedarf die freie Hydroxylgruppe freigelegt wird. Das primäre Alkylbromid dient als vielseitiges elektrophiles Zentrum, das für nukleophile Substitutionsreaktionen (SN2), Metall-Halogen-Austausch und Kreuzkupplungsumwandlungen geeignet ist. Diese Kombination aus einem stabilen benzylgeschützten Alkohol und einem reaktiven Alkylbromid macht Benzyl-4-brombutylether zu einem bifunktionellen C4-Baustein mit präzise differenzierten, orthogonalen reaktiven Griffen, der für konvergente Synthesestrategien geeignet ist.
Benzyl-4-brombutylether ist eine halogenierte Etherverbindung, die umfangreiche Anwendung als wichtiges synthetisches Zwischenprodukt in der medizinischen Chemie und der pharmazeutischen Prozessentwicklung findet. Das Bromatom in Benzyl-4-brombutylether besitzt eine hohe Reaktivität und kann an verschiedenen nukleophilen Substitutionsreaktionen teilnehmen, was die Einführung von Hydroxyl-, Amino-, Thiol- und anderen funktionellen Gruppen für die anschließende strukturelle Modifikation und Diversifizierung ermöglicht. Benzyl-4-brombutylether wird bei der Synthese von monodispersem Oligo(tetrahydrofuran) für supramolekulare Netzwerkstrukturen sowie beim Aufbau pharmazeutischer Zwischenprodukte und Feinchemikalien eingesetzt. Im Bereich des gezielten Proteinabbaus wurde Benzyl-4-brombutylether als PROTAC-Linkerbaustein (Proteolysis Targeting Chimera) identifiziert, dessen Vier-Kohlenstoff-Abstand und die orthogonale Schutzgruppenstrategie den konvergenten Aufbau heterobifunktioneller Abbaumoleküle erleichtern. Das vorhersehbare Reaktivitätsprofil und der breite synthetische Nutzen von Benzyl-4-brombutylether haben ihn zu einem unverzichtbaren Werkzeug im Repertoire der modernen organischen Chemie gemacht.
115 °C / 0,4 mmHg (lit.); 103–105 °C / 0,3 mmHg (alternative Messung)
Dichte
1,275–1,28 g/ml bei 25 °C (lit.)
Brechungsindex
n20/D 1,529 (lit.)
Flammpunkt
113 °C
LogP
3,38 (vorhergesagt)
Löslichkeit
Schwer löslich in Chloroform und Methanol; frei löslich in Dichlormethan, Ethylacetat, THF; unlöslich in Wasser
Stabilität
Stabil unter empfohlenen Bedingungen; Kontakt mit Oxidationsmitteln vermeiden
Lagerbedingungen
Raumtemperatur; In einem dicht verschlossenen Behälter an einem kühlen, trockenen und gut belüfteten Ort aufbewahren; vor Licht schützen
Synthetischer Weg
Die Herstellung von Benzyl-4-brombutylether erfolgt am häufigsten über die Williamson-Ethersynthese. In einem in der Patentliteratur beschriebenen repräsentativen Verfahren (US05864039) wird 60 %iges Natriumhydrid (1,2 g, 30 mmol) in wasserfreiem Tetrahydrofuran (30 ml) suspendiert und Benzylalkohol (3,0 g, 27,7 mmol) unter Eiskühlung und Rühren tropfenweise zugegeben. Die Mischung wird 30 Minuten bei Raumtemperatur gerührt, um eine vollständige Bildung des Natriumbenzylalkoxids sicherzustellen, und dann erneut in einem Eisbad abgekühlt.
Anschließend wird 1,4-Dibrombutan (6,0 g, 27,8 mmol) zugegeben und die Reaktionsmischung 3 Stunden bei Umgebungstemperatur gerührt. Die Verwendung von überschüssigem 1,4-Dibrombutan im Verhältnis zum Alkoxid minimiert die Bildung des Bisether-Nebenprodukts. Zum Abschrecken der Reaktion wird Wasser zugegeben und die Mischung mit Ethylacetat extrahiert. Die organische Schicht wird mit Kochsalzlösung gewaschen, über wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet, filtriert und unter reduziertem Druck konzentriert. Das Rohprodukt wird durch Kieselgel-Säulenchromatographie oder Vakuumdestillation gereinigt, um Benzyl-4-brombutylether als farblose Flüssigkeit in einer Ausbeute von etwa 56 % (3,8 g) zu ergeben.
Alternative Verfahren verwenden Kaliumcarbonat als Base in DMF oder Acetonitril, was mildere Reaktionsbedingungen und einfachere Aufarbeitungsprotokolle ermöglicht. Die Reaktion wird bequem durch TLC überwacht und das gereinigte Produkt wird durch ¹H- und ¹³C-NMR-Spektroskopie charakterisiert, wobei die benzylischen Methylenprotonen als Singulett bei etwa δ 4,50 ppm und die Methylenprotonen neben Brom als Triplett im Bereich von δ 3,40–3,45 ppm in CDCl₃ erscheinen.
Anwendungsszenarien
1.PROTAC-Linker-Baugruppe
Benzyl-4-brombutylether dient als wichtiger Linkerbaustein bei der konvergenten Synthese von PROTAC-Molekülen (Proteolysis Targeting Chimera), wobei der Abstandshalter aus vier Kohlenstoffatomen und die orthogonale Benzylschutzgruppe die sequentielle Kopplung von E3-Ligaseliganden und Zielproteinliganden ermöglichen.
2. Mehrstufige pharmazeutische Zwischensynthese
Wird als bifunktioneller C4-Baustein bei der Synthese pharmazeutischer Kandidaten eingesetzt, wobei das Alkylbromid als elektrophiler Anker für die Einführung einer geschützten 4-Hydroxybutylkette an Amin-, Alkohol-, Thiol- oder Carbanion-Nukleophile dient.
3.Nukleophile Substitutions- und Alkylierungsreaktionen
Das primäre Alkylbromid geht einfache SN2-Reaktionen mit einer breiten Palette von Nukleophilen ein und ermöglicht so den Einbau unterschiedlicher Funktionalitäten an der 1-Position für die anschließende strukturelle Ausarbeitung.
4.Monodisperse Oligomer- und Polymersynthese
Wird bei der Synthese von monodispersen Oligo(tetrahydrofuran)- und supramolekularen Netzwerkstrukturen verwendet, wobei das benzylgeschützte Bromalkan als wohldefinierter Baustein für den Aufbau präziser Polymerarchitekturen dient.
5.Entschützung von Benzyl zur Erzeugung freier Bromalkohole
Die Benzylschutzgruppe kann selektiv unter hydrolytischen Bedingungen (H₂, Pd/C) oder durch Lewis-Säure-Behandlung entfernt werden, um 4-Brombutan-1-ol freizusetzen, ein vielseitiges Zwischenprodukt für die weitere Oxidation oder Kupplung.
6. Totalsynthese von Naturstoffen und bioaktiven Molekülen
Wird als C4-Baustein in der Totalsynthese komplexer Naturstoffe und biologisch aktiver Moleküle verwendet, wobei der geschützte Alkohol in einem strategischen Spätstadium demaskiert werden kann, um eine für die biologische Aktivität erforderliche Hydroxylgruppe freizulegen.
7. Entwicklung agrochemischer und funktioneller Materialzwischenprodukte
Wird als synthetischer Baustein bei der Entwicklung von agrochemischen Wirkstoffen und fortschrittlichen Funktionsmaterialien eingesetzt, wobei die Kombination eines reaktiven Halogenids und eines geschützten Alkohols den modularen Aufbau von Zielarchitekturen ermöglicht.
8. Analytischer Referenzstandard für die Profilierung von Prozessverunreinigungen
Wird als Referenzmarker in HPLC- und GC-Methoden verwendet, um den Gehalt dieses benzylgeschützten Zwischenprodukts als prozessbedingte Verunreinigung in Arzneimittelsubstanzen zu überwachen, bei denen benzylgeschützte Bromalkane während der Synthese eingesetzt werden.
Informationen zur Produktsicherheit
Sicherheitshinweise – Prävention
Einatmen von Staub/Rauch/Gas/Nebel/Dampf/Spray vermeiden.
Nach der Handhabung die Haut gründlich waschen.
Nur im Freien oder in einem gut belüfteten Bereich verwenden.
BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser und Seife waschen.
BEI EINATMEN: Die Person an die frische Luft bringen und für ungehinderte Atmung sorgen. BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang vorsichtig mit Wasser spülen. Entfernen Sie Kontaktlinsen, falls vorhanden und einfach möglich. Spülen Sie weiter.
Bei Unwohlsein GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
Spezifische Behandlung (siehe ergänzende Erste-Hilfe-Anweisungen auf dem SDB-Etikett).
Bei Hautreizungen: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Bei anhaltender Augenreizung: Ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.
Kontaminierte Kleidung ausziehen und vor erneutem Tragen waschen.
Brandbekämpfungsmaßnahmen
Geeignete Löschmittel: Wassersprühstrahl, alkoholbeständiger Schaum, Trockenlöschmittel oder Kohlendioxid.
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